Wanderung in den Tiroler Bergen im Herbst
Erste Ferienregion im Zillertal / Andi Frank
Challenge · Cluster 1

Draußen sein

Achensee · Tiroler Zugspitz Arena · Innsbruck · Imst

  • ZeitfensterMai/Juni (Lücke zwischen Pfingst- und Sommerferien) · Oktober/November · März/April
  • ThemenWandern & Trails · Bike & Gravel · Bewegung in der Natur · Regeneration & Wohlbefinden · Familienerlebnis · Kulinarik · Anreise ohne Auto
Bedürfnis

Drinnen sitzen statt sich draußen bewegen

Wir sitzen mehr als jede Generation vor uns – im Büro, im Auto, vor dem Bildschirm – und sind dabei ununterbrochen erreichbar. Was dagegen hilft, ist bekannt und unspektakulär: hinausgehen und sich bewegen, bis der Kopf leer wird.

Draußen fällt zusammen, was drinnen getrennt ist. Man strengt sich an und erholt sich dabei. Man geht hinauf und bleibt oben stehen, um zu schauen. Anstrengung und Ruhe sind hier kein Gegensatz, sondern zwei Takte derselben Bewegung – ob jemand auf 2.000 Metern trainiert oder einen Nachmittag lang am See sitzt.

Und kaum jemand geht allein los. Familien, Freundesgruppen, Paare: Die gemeinsame Zeit draußen ist oft der eigentliche Reisegrund. Die Bewegung ist der Anlass, das Miteinander bleibt in Erinnerung.

Markt & Signale

Aus einem Bedürfnis wird eine Reisebewegung

Der Aktiv- und Abenteuertourismus ist ein Milliardenmarkt – und Europa führt ihn an. Er wird für 2026 auf rund 534 Mrd. US-Dollar geschätzt, mit hohen zweistelligen Wachstumsraten. Europa ist mit knapp 38 % Umsatzanteil die führende Region – Österreich wird dabei ausdrücklich als tragende Destination genannt. Rund 61 % des Marktes entfallen auf Aktivitäten zu Land: Wandern, Trekking, Klettern, Camping, Radfahren.³

Wandern führt das Feld an. Trekking und Wandern sind das stärkste Untersegment überhaupt; rund 59 % der Aktivreisenden nennen Wandern als ihre wichtigste Aktivität. Der Wanderreisemarkt allein wächst von 47,8 Mrd. US-Dollar (2025) auf voraussichtlich 93,6 Mrd. bis 2034. Deutschland gilt dabei als besonders dynamischer Markt – getragen von Wanderkultur, Radwegenetzen und Waldtourismus.⁴

Rad und Gravel öffnen zusätzliche Zugänge. Europa führt den Radtourismus mit über 30 % Marktanteil an; „Gravel Grinding“ gilt als am schnellsten wachsende Kategorie, weil es tiefer in die Natur und weg vom Autoverkehr führt. E-Bikes öffnen dieselben Wege für Menschen, die sich bergauf bisher nichts zugetraut haben.⁵

Der Anspruch verschiebt sich weg von der Leistung. Aktivreisen richten sich 2026 ausdrücklich nicht mehr an Höhenmeterjäger und Wettkampfniveau, sondern an normale Gäste, die machbare Distanzen, gute Infrastruktur und Zeit für den Ort wollen. Der Weg zählt so viel wie das Ziel.⁶

Die stärkste Gruppe reist nicht allein. Die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen stellt mit knapp 42 % den größten Anteil im Aktivtourismus – und sie verbindet Bewegung ausdrücklich mit Komfort und reist mit Partnerin, Partner oder Familie. Dazu kommen Mehrgenerationenreisen in wechselnden Konstellationen, die bewusst Zeiträume außerhalb des Ferienhochbetriebs suchen.⁷

Natur ist das Wirkprinzip, nicht die Kulisse. Bewegung in freier Natur verstärkt die gesundheitsfördernden Effekte messbar – Höhenklima, Luft, Wasser und Wald wirken dabei nachweisbar mit. Welche dieser alpinen Ressourcen wie wirken, ist im Interreg-Programm Healps2 bereits wissenschaftlich aufgearbeitet; genutzt wird das bislang kaum.⁸ Bei der Wahl eines Erholungsziels sind Natur und Ruhe (79 %), reine Luft (79 %) und die Lage (76 %) die wichtigsten Kriterien – nicht die Ausstattung.⁹

Anreisen ohne Auto wird zum Qualitätsmerkmal. Bahn, Bus und gute Verbundlösungen werden zunehmend Teil des Angebots statt seiner Voraussetzung.¹⁰

Regionen

Berge, Wasser, Höhe und Wege – was die vier Regionen einbringen

Tiroler Zugspitz Arena. Bringt die konsequenteste Aktivpositionierung des Clusters ein: Grenzenlos Aktiv und We are Family als strategische Schwerpunkte, dazu ein über Jahre gewachsenes Wegenetz mit deutlich ausgebauter Trail-Infrastruktur und Bike- und Gravel-Formaten in Entwicklung. Ihre Zielgruppen hat die Region klar entschieden: erholungssuchende Familien und verbundene Energiebündel – aktive, naturverbundene Gruppen, die gemeinsam draußen unterwegs sind.

Achensee. Bringt die Verbindung von Aktivität und Regeneration ein: See und Berge, Naturpark Karwendel, hochwertige Beherbergung – und mit Balance & Regeneration das einzige Fokusthema im Cluster, das den zweiten Takt führend setzt. Als Zielgruppen für die Nebensaisonen nennt die Analyse sportliche Gäste (Wandern, Rad), Familien mit kleinen Kindern, die ferienunabhängig buchen, sowie Natur- und Erholungssuchende. Die Nebensaison ist erklärtes Alleinstellungsmerkmal. Damit trägt der Achensee im Cluster die Kompetenz für alles, was über Bewegung hinaus auf Erholung und Wohlbefinden zielt.

Innsbruck. Bringt Spannweite und Erreichbarkeit ein. Das eigene Fokusthema Aktive Bewegung beschreibt ausdrücklich das gesamte Spektrum – von sanfter Bewegung am Mieminger Plateau bis zum Höhenleistungszentrum Kühtai mit Höhentraining und Trailrunning. Dazu Stadt und Hochgebirge in Minuten, ein dichtes Wegenetz und die stärkste Anbindung im öffentlichen Verkehr, die der Cluster hat.

Imst. Bringt Wasser, Sonne und niedrige Einstiegsschwellen ein: Schluchten und Wasserlandschaften, ein inneralpiner Trockenraum mit überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden, ausgeprägte Outdoor-Kompetenz und mit dem Goldenen Herbst ein etabliertes saisonverlängerndes Leitprodukt. Die Imst Card bündelt Bergbahnen und öffentlichen Verkehr; die geringe Tourismusintensität schafft Spielraum für Neues.

Zusammen deckt der Cluster ab, was ein Bewegungserlebnis in den Randzeiten braucht: Wege und Trails in jeder Schwierigkeit, Höhe von der Talsohle bis 2.000 Meter, Wasser und Sonne, Regenerationskompetenz – und eine Anreise, die auch ohne Auto funktioniert. Keine Region hat das allein.

Herausforderung

Woran gute Ideen bisher scheitern

Wege allein sind kein Reiseanlass. Trails, Erlebniswege und Radrouten gibt es in jeder Alpenregion. Infrastruktur begründet keine Reise – ein Termin, ein Format und ein Grund, gerade jetzt zu kommen, schon.

Die Randzeit ist genau die Zeit, in der zugesperrt ist. Im November liegt der Anteil geöffneter Betriebe in Teilen des Clusters bei rund der Hälfte, mit stagnierender Tendenz. Ein Angebot in der Randzeit ist deshalb immer auch eine Vereinbarung über Öffnungszeiten – sonst bleibt die beste Idee ein Konzept.

Buchbar schlägt schön. Was nicht gebucht werden kann, existiert für Gäste nicht. Gerade in den Randzeiten braucht es Formate mit Datum, Preis und Ansprechpartner statt Angebotslisten.

Regionsübergreifend heißt nicht automatisch Reiseroute. Mitgliedsbetriebe reagieren sensibel, wenn Gäste aus der eigenen Region weggeführt werden. Gemeinsame Zeitfenster, ein gemeinsames Anker-Format oder eine geteilte Dramaturgie sind oft tragfähiger als eine Rundreise – und politisch leichter zu halten.

Erholungssport ist nicht Leistungssport. Der Cluster kann beides, aber ein Format, das nach Wettkampf aussieht, schreckt genau die Zielgruppen ab, die er gewonnen hat: Familien und Freundesgruppen, die eine gute Zeit wollen, keine Bestzeit.

Das Wetter ist in den Randzeiten der Unsicherheitsfaktor. Ein Aktivformat im November braucht einen Plan B, der nicht nach Ersatz aussieht.

Frage

Von der Aktivität zur guten Bergzeit

Wie könnten wir Bewegung, Natur und Erholung zu einem Erlebnis verbinden, für das Gruppen und Familien im Frühjahr und Herbst anreisen – und von dem sie mit neuer Energie zurückkehren?

Wir suchen kein weiteres Wanderpaket und kein Wellnesswochenende. Wir suchen das Format, für das eine Familie ihre freien Tage im Oktober einplant und eine Freundesgruppe im Juni wiederkommt – weil es dann am schönsten ist und weil es das nur hier gibt. Einfach eine gute Bergzeit, gut gemacht.

Vier Qualitäten tragen ein solches Erlebnis – Bewegung, Rhythmus, Gruppe und Zugang.

Am Anfang steht die Bewegung – und die Frage, wofür sie eigentlich gut ist. Was, wenn sie nicht Selbstzweck bleibt, sondern etwas bewirkt: eine Strecke, an deren Ende etwas fertig ist, ein Weg, der jemandem etwas bringt, eine Bewegung, die eine Landschaft verändert oder erhält? Was, wenn ein Format für Menschen gebaut ist, die sich selbst nicht für sportlich halten – und der leichteste Zugang das eigentliche Produkt ist? Und was können wir von Bereichen lernen, die Menschen seit jeher in Bewegung bringen, ohne von Sport zu sprechen – Bergrettung, Almwirtschaft, Forstarbeit, Naturbeobachtung?

Getragen wird es vom Rhythmus. Anstrengung ohne Erholung ist Arbeit, Erholung ohne Anstrengung wird fad. Was, wenn ein Erlebnis nicht als Tagesprogramm gedacht wird, sondern als Komposition über mehrere Tage – bewegter Vormittag, stiller Nachmittag, langer Abend? Was, wenn es acht Wochen vor der Anreise beginnt und danach weiterläuft? Oder wenn Menschen zweimal kommen – einmal im Frühjahr, einmal im Herbst – und erst beide Aufenthalte zusammen das Angebot ergeben? Und was, wenn die Wirkung schlicht sichtbar wird: nicht über Diagnostik, sondern darüber, dass man nach vier Tagen draußen anders schläft?

Entscheidend ist die Gruppe – und die Frage, wer sie zusammenbringt. Was, wenn ein Format für drei Generationen gleichzeitig funktioniert, weil alle dieselbe Strecke schaffen, aber jede und jeder auf eigene Weise? Was, wenn nicht Einzelpersonen buchen, sondern Vereine, Schulen, Betriebe oder Freundeskreise, die schon lange nichts mehr gemeinsam unternommen haben? Und was, wenn die Gruppe erst vor Ort entsteht – aus Menschen, die allein angereist sind und niemanden hatten, mit dem sie hätten kommen können?

Es steht und fällt mit dem Zugang. Was, wenn die Anreise mit der Bahn nicht Auflage, sondern erster Programmpunkt wäre – und die Strecke danach so gebaut ist, dass man das Auto gar nicht vermisst? Was, wenn eine einzige Buchung reicht und eine Karte über alle vier Regionen gilt? Und was müssten wir bewusst nicht anbieten, damit ein Erlebnis wirkt – keine Uhrzeiten, keine Auswahl, kein Netz?

Genau hier wird der Cluster interessant – und zwar ohne Rundreise. Was, wenn die vier Regionen dasselbe Zeitfenster besetzen, jede mit eigenem Format, aber unter einem gemeinsamen Namen und Termin? Was, wenn ein Anker-Format in einer Region liegt und die anderen es mit Vor- und Nachprogramm rahmen? Was können wir von Formaten lernen, bei denen der gemeinsame Termin die Marke trägt und nicht die gemeinsame Route – Festivals, Saisoneröffnungen, lange Nächte, Erntewochen? Und was wäre das Gegenteil dessen, was alle vier Regionen heute anbieten – und wäre genau das nicht das Interessantere?

Ideen

Ideen aus den Regionen

1 Draußen sein2 Sinn finden3 Gemeinschaft erleben4 Aktiv leben

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Nennungen in den Saisonrandzeiten
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Nennungen in der Hauptsaison
Cluster-Profil

Fakten je Region.

RegionFokusthemenSchwerpunkt-Zeiträume
AchenseeBalance & Regeneration, Wandern & Rad, Nebensaison als USPMärz/April · Oktober/November
Tiroler Zugspitz ArenaGrenzenlos Aktiv, We are Family, Trails, Bike & GravelMai/Juni · Oktober/November
InnsbruckAktive Bewegung, Höhenleistungszentrum Kühtai, ÖPNVganzjährig, Fokus Randzeiten
ImstWasser & Schluchten, Sonnenstunden, Goldener Herbst, Imst CardFrühjahr · Goldener Herbst
Quellen & weiterführende Ressourcen
  • Grand View Research — Adventure Tourism Market Report 2026–2033; Fortune Business Insights — Adventure Tourism Market (landgestützte Aktivitäten 61,1 %).
  • Dataintelo — Hiking Tourism Market 2026–2034; Business Research Insights — Hiking Market; GMInsights — Adventure Tourism Market 2026–2035.
  • Coherent Market Insights — Cycle Tourism Market 2026; Forbes 2026 („Gravel Grinding“ als am schnellsten wachsende Kategorie).
  • Euronews — Europas Radreiseziele 2026; Forbes — Active Travel 2026.
  • GMInsights — Altersgruppe 30–40 Jahre mit 41,9 % Anteil; Forbes / Spotlight Communications 2026 und Skyscanner Travel Trends 2026 (Mehrgenerationenreisen).
  • Paracelsus Medizinische Privatuniversität — „Wellness wirkt“, 2020; Interreg Alpine Space — Healps2, Alpine Health Tourism.
  • Tirol Werbung — Themenstudie Wellness Deutschland 2025; Trendradar 2024 – Mobilität im Detail.
  • Ist- und Potenzialanalysen sowie Themenfokussierungen Achensee, Tiroler Zugspitz Arena, Innsbruck, Imst (2026).